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Foto von Trym Nilsen auf Unsplash

Widerrufsrecht: Gesetzlich legitimierter Diebstahl 2.0?

Wir müssen reden: Das Widerrufsrecht war eine der großen Errungenschaften des europäischen Verbraucherschutzes. Es sollte Vertrauen schaffen. Vertrauen in den Onlinehandel. Vertrauen in den Fernabsatz. Vertrauen darin, dass Verbraucher eine Ware prüfen können – ähnlich wie im stationären Geschäft.

Doch was passiert, wenn dieses Schutzinstrument systematisch missbraucht wird?

Fakt ist: Der Widerruf hat nichts mehr von „mal ausprobieren“.  Statt eines geprüften Produkts erhalten Händler  kaputte, verdreckte oder ganz andere Dinge zurück:

Einen Holzklotz – statt Playstation
Einen alten Router – statt gekaufter Schuhe
Alte abgetragene Schuhe – statt der probierten neuen Schuhe
Getragene Kleider – voll mit Make-up
Kaffeevollautomaten – komplett verdorben mit Milch- und Schimmelresten

Die neue Ware ist verschwunden.

Für den Händler bedeutet das: Ware verloren, Versandkosten getragen, Rückerstattung geleistet und er muss noch Müll entsorgen. Und keinerlei realistische Möglichkeit, den Schaden einzutreiben, denn die Plattformen schicken dem Verbraucher meist ungeprüft einfach das Geld für die „widerrufene“ Ware. Der Kunde hat damit Ware und Geld. Im stationären Handel würde man das als Diebstahl bezeichnen.

Stellen wir uns mal den Aufschrei vor, wenn alle einfach in den Laden gingen und die Waren mitnehmen, einen Marathon laufen oder mit einem teuren Kaffee-Vollautomaten erstmal eine Party veranstalten und es dann zurückbringen oder eine neue Tastatur mitnehmen und die alte hinstellen.

Im Onlinehandel: Voll okay?

Ist ja auch kein Problem: Die Plattformen sind herrlich kulant, die Händler können rechtlich nichts unternehmen und der Verbraucher freut sich über kostenlose Neuware. Im besten Fall würde der Verbraucher zumindest Wertersatz schulden – und oft ist es einfach Betrug, bei dem er sich strafrechtlich verantworten müsste. Nichts davon passiert.

Das strukturelle Problem

Das Widerrufsrecht wurde für einen ehrlichen Verbraucher geschaffen. Für Menschen, die eine Ware prüfen und sich dann entscheiden.

Das System funktioniert jedoch nur, solange beide Seiten redlich handeln.

Aber  Missbrauch wird zur Normalität

Mittlerweile sind das keine einzelnen Vorfälle mehr. Die wären verkraftbar. Es wird Masse – und die Verbraucher sind sich keiner Schuld bewusst. Es wird behandelt, als sei es ein Kavaliersdelikt. Ein kleiner raffinierter Trick, der doch keinem schadet. Ist doch „nur“ Amazon? Aber es ist nicht „Amazon“, sondern es sind die vielen kleinen und mittleren Händler, die hier Arbeitskräfte schaffen und von allen Seiten ausgehungert werden.

Nachhaltigkeit geht anders

Auch in punkto Nachhaltigkeit ist diese Art des „Widerrufs“ nicht tragbar: Die Händler müssen jede Menge Neuware vernichten, weil es nicht rentabel ist, diese aufzubereiten. Obendrein bekommen Händler noch jede Menge weiteren Müll, den die Verbraucher über sie „entsorgen“.

Verbraucherschutz braucht Balance

Niemand stellt das Widerrufsrecht grundsätzlich infrage. Es bleibt ein zentraler Bestandteil des digitalen Binnenmarkts. Aber ein System, das systematischen Missbrauch nicht effektiv adressiert, verliert seine Legitimation.

Was es braucht:

  • Diskussion über Sinn und Zweck des Widerrufs
  • Klare Grenzen
  • Unterstützung durch die Plattformen
  • Klare Konsequenzen auch für die Verbraucher.


Ein Widerrufsrecht, das zunehmend als kostenloses Leih- oder Betrugssystem genutzt wird, verfehlt seinen Sinn.