Das System funktioniert fast immer nach gleichem Muster: Amazon wird nach gut gehenden Produkten gescannt. Es wird dann genau diese Marke angemeldet. Meist werden Lücken im Markenrecht ausgenutzt. Händler, die z.B. erst im Laufe der Zeit das Sortiment erweitert haben, aber den Markenschutz nicht angepasst haben, haben dann eine Lücke im Markenschutz. Der Konkurrent (in 95% der Fälle aus Fernost) meldet nun genau diese Lücke mit genau der Marke an – und lässt nun über Amazon die Marke für andere sperren. Das Ergebnis: Der Händler, der die Marke groß gemacht hat, kann nun seine eigenen Produkte nicht mehr auf Amazon handeln. Das gleiche Prinzip funktioniert auch mit identisch angemeldeten Marken, bei denen sich auch die Klassen 1:1 decken. Und das Prinzip funktioniert auch mit Designs.
Ist das neu? Nicht wirklich, Das Prinzip ist seit Jahren bekannt. Darüber hat Heidi Kneller-Gronen bereits seit 2018 Vorträge gehalten und davor gewarnt. Aber die Zahl dieser Vorfälle steigt immer weiter an – und auch die Dreistigkeit: In den aktuell vorliegenden Fällen bekamen die Händler im Anschluss an die Sperre einen Vorschlag geschickt; 80.000 Yuan und sie bekommen die Markenrechte übertragen und dürfen wieder handeln.
Der Aufschrei aller Händler erstmal: „Das ist doch nicht rechtens“ und „da muss Amazon doch was tun“. Schauen wir uns das an:
Aber Amazon weiß von diesen Praktiken – und versucht im Rahmen des Möglichen zu helfen. Denn Amazon sieht natürlich, wer wann welche Marken vertrieben hat und kann viel filtern. Wir sind froh, dass Amazon hier uns zuhört und versucht, den Missbrauch zu unterbinden.
Bitte überprüft alle eure Marken, ob auch alles geschützt ist, was ihr vertreibt. Behaltet die Ämter im Blick, ob es ähnliche Anmeldungen gibt. Eventuell kann auch eine einstweilige Verfügung helfen. Ob ihr die Kosten jedoch aus Fernost wiederbekommt, dürfte eher fraglich sein. Wer sonst Hilfe braucht, kann sich auch gerne an uns wenden und wir unterstützen gerne hierbei.